Marie Hewelt
12.15 Uhr
In vielfacher Form scheint in der DDR der 70er Jahre das Thema des Geschlechtertauschs auf. Zwei Herangehensweisen an das Thema werden in diesem Vortrag untersucht. In »Omphale« bedient sich Peter Hacks der Mythologie, lässt den Helden Herakles und die Königin Omphale ihre Rollen zum gegenseitigen Gewinn tauschen.
In Irmtraud Morgners »Gute Botschaft der Valeska in 73 Strophen« aus ihrem Montage-Roman Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura wechselt eine Frau, die sich klar durch die Gegenwart der DDR und Sowjetunion nach 1972 bewegt, ihr biologisches Geschlecht. Durch die unterschiedlichen Ausgangsszenarien ergeben sich verschiedene Dynamiken auf Basis der gleichen Thematik. Hacks’ Figuren Herakles und Omphale tauschen ihre Rollen, um ihre jeweilige geschlechtlichen Einseitigkeit zu überwinden, bis äußere Umstände sich dem entgegenstellen. Bei Morgner geht es um nichts Geringeres als die Menschwerdung des Menschen, die ebenfalls nur durch ein Überwinden der Geschlechtergrenzen erreicht werden kann. Der Vortrag soll der Frage nachgehen, wie das Motiv des Geschlechtertauschs bei Hacks und Morgner ein- und umgesetzt wird und welche Schwierigkeiten und Chancen im Geschlechterverhältnis durch den Tausch jeweils sichtbar gemacht werden. Außerdem wird untersucht, ob die jeweilige Art der Herangehensweise der Geschlechterthematiken heute noch produktiv ist.
Hier können Sie den Vortrag nocheinmal hören und sehen:
Marie Hewelt, geboren 1994, studierte Philosophie und Germanistik in Göttingen und Venedig sowie Theaterwissenschaft in Bochum. Sie arbeitete in der Redaktion der Zeitschrift der Gesellschaft für Theaterwissenschaft, »Thewis«. Gegenwärtig ist sie in den Bereichen Dramaturgie und Produktionsleitung tätig.