Olaf Brühl
16.45 Uhr
Hacks schrieb zwei abendfüllend dramatische Texte zum antiken Herakles-Stoff mit dem Titel OMPHALE. Ein Opernlibretto und eine Komödie. Zuerst das Opern-Libretto ohne Opernkomponist und Opernhaus, danach die Komödie und ohne Schauspielhaus. Das zweite Werk wurde zuerst aufgeführt und da kein Theater in der DDR das leistete, war es schließlich in der BRD das Schauspiel in Frankfurt am Main, wo einige der elementaren Fragen sozialistischer Heldenarbeit durchgespielt wurden.
Für das Opernlibretto war noch mehr Geduld notwendig: die anvisierten Komponisten lehnten ab, bis der bereits mit einem Hacks-Werk erfolgreiche Siegfried Matthus zugriff und OMPHALE komponierte. Aus dem Briefwechsel der beiden Autoren werden zentrale Probleme sozialistischer Ästhetik bei der Vertonung dramatischer Dichtung deutlich, die später bei dem gemeinsamen Aristophanes-Projekt einer klassizistischen Oper DIE VÖGEL zum vorzeitigen Abbruch der Arbeit führen sollten.
Vor diesem Hintergrund und dem des Weltgeschehens sind die beiden unterschiedlichen Texte von Hacks in Aufbau und Aussage zu vergleichen. Darüber hinaus gibt es Einsichten zu gewinnen. In beiden wird das Motiv des Geschlechtertauschs dargestellt, in beiden der siegreiche Kampf des Herakles gegen ein Ungeheuer. Einmal wird da nur gesprochen und andermals nur gesungen. Ist das alles? Inwiefern weisen die Werke welche Gemeinsamkeiten auf, worin unterscheiden die Texte sich und warum? Behandeln sie dasselbe Thema auf unterschiedliche oder einander entsprechende Weise, bzw. verhandeln sie jeweils andere Fragen und Aspekte? Worin schließlich wäre ihre jeweilige Relevanz zu finden?
Hier können Sie den Vortrag nocheinmal hören und sehen:
Olaf Brühl, geb. 1957 in Gotha, Regisseur und Autor, verheiratet, lebt in Berlin (Operninszenierungen, freie Theaterprojekte, Dokumentarfilme für DFF, ARD/zdf, u.a.: 2014 »Vom Gesang der Dinge – der Komponist Siegfried Matthus«; Publikationen, Referate): Peter Hacks dichtete für Brühl 1981 auf Mozarts Opernmusik zu »Der Schauspieldirektor« (1786) ein neues Libretto »Da Capo« (in »Argos« Nr. 2, Mainz 2008, mit einem Essay von Brühl: »Einem Menschen mit Humor kommt das Leben komisch vor. Über Hacks´ Mozart-Oper«); seit 2011 Veranstaltungen für die Peter-Hacks-Gesellschaft (u.a.: Hacks-Stücke-Reihe und 2016 Hacks-Fest), 2015 Referat »Allmächtig wirkt im Gang des Seins das längst Erledigte« ‒ OMPHALE von Peter Hacks (Hacks-Jahrbuch 2016), zuletzt: Siegfried-Matthus-Ehrung Berlin am 13. April 2024 mit Lesungen aus dem unveröffentlichten Briefwechsel von Matthus und Hacks.